„Vor Menschen sich scheuen, bringt zum Fall; wer sich aber auf den Herrn verlässt, wird beschützt.“ Spr. 29,25.
Hier haben wir ein doppeltes Sprichwort; beide Hälften sind an sich wahr, und zusammen gestellt, ist das Ganze kräftig und belehrend. Wer sich vor Menschen fürchtet, ist aus diesem Grunde in großer Gefahr; wer den Herrn vertraut, ist in keiner Gefahr. Vertrauen auf den Herrn ist das große Gegenmittel gegen alle Menschenfurcht.
„Sich vor Menschen scheuen, bringt zum Fall.“
„Wer sich aber auf den Herrn verlässt, wird beschützt.“
Nicht sklavische Menschenfurcht, sondern kindliches Vertrauen auf den Herrn ist der Schutz des Gläubigen.
Wir dürfen die Lehre des zweiten Satzes in seiner umfassendsten Bedeutung nehmen: „Wer sich auf den Herrn verlässt, wird beschützt“ -: vor der verdammenden und überwindenden Macht der Sünde; vor der überwältigenden Macht der Versuchung; vor der betäubenden Wirkung der Trübsal; vor der vernichtenden Macht des Satans; vor dem Tode, der Hölle und allen Übeln; vor allem Leid und Schaden, den uns Menschen zufügen können.
Willst du einen Wurm fürchten, oder deinem Gott vertrauen?
Zerreiße die Schlinge, in welcher die Furcht dich verwickelt hat. Gehe ein in die Burg der Sicherheit durch das Tor des Vertrauens.
Die Seele, die Gott nicht völlig vertrauen kann, ob man nun den Menschen gefalle oder missfalle, kann Ihm nie lange treu bleiben; denn während ihr auf Menschen blickt, verliert ihr Gott und stoßt dem Christentum den Dolch ins Herz. Manton.
„Menschenfurcht.“ Grausamer, blutdürstiger Götze - wie viele Seelen hat er schon verschlungen und in die Hölle gestürzt! Seine Augen sind voll Hasses gegen Christi Jünger. Hohn und Spott lagern auf seinem Angesicht. Das Gelächter des Verächters erschallt aus seinem Halse. Wirf diesen Götzen nieder. Er hält einige von euch ab vom verborgenen Gebet, von der Anbetung Gottes in der Familie, von dem öffentlichen Bekenntnis Christi. Ihr, die ihr Gottes Liebe und Gottes Geist verspürt habt, zermalmt diesen Götzen. Wer bist du, dass du dich vor Menschen fürchtest, die doch sterben? „Fürchte dich nicht, du Würmlein Jakob. Was sollen mir weiter die Götzen?“ McCheyne.
Die Schwierigkeiten, die ein offenes Bekenntnis von Christo begleiten, sind die Veranlassung gewesen, dass viele Schiffbruch an ihrer Seele erlitten haben. Bei vielen hoffnungsvollen Charakteren hat sich das Schriftwort: „Vor Menschen sich scheuen, bringt zum Fall“ bewahrheitet. Cato und die Philosophen Roms ehrten die Götter ihres Landes, obgleich sie den Aberglauben der Bevölkerung nicht teilten. Plato war von der Einheit Gottes überzeugt, wagte es aber nicht, seine Überzeugungen kund zu tun, sondern sagte: „Es ist eine Wahrheit, die nicht leicht zu finden und ohne Gefahr nicht kund zu geben ist.“ Selbst Seneca, der berühmte Moralist, glaubte sich durch die Umstände genötigt, seine Überzeugung zu verbergen. Von ihm sagte Augustus: „Er betete an, was er selbst verachtete, und tat, was er selbst tadelte.“ So ist Überzeugung noch nicht Bekehrung, wenn kein Bekenntnis von Christo abgelegt wird. Salter.
Ein Feuer löscht das andere aus. Nichts tötet so wirksam die Menschenfurcht, als ein großes Maß an Gottesfurcht. Glaube ist der Seele ein Harnisch, und da mit angetan können Menschen ins dichteste Schlachtgetümmel gehen ohne Furcht, verwundet zu werden. Menschenfurcht stumpft das Gewissen ab, stört unsere Andacht, hindert die heilige Tätigkeit, verstopft den Mund gegen das Zeugnis und lähmt des Christen Kraft. Sie ist eine schlau gelegte Schlinge, welche manche nicht gewahren, obgleich sie bereits darin gefangen sind.